KI-generiertes Headerbild zum Buch „Kleine Probleme“ von Nele Pollatschek

Das Leben auf später verschieben

„Kleine Probleme“ von Nele Pollatschek

Eigentlich klingt der Plan ganz einfach: Endlich alles erledigen, was seit Jahren liegen geblieben ist. Steuererklärung. Wohnung aufräumen. Das Bett für die Tochter aufbauen. Weniger rauchen. Vielleicht sogar das eigene Lebenswerk schreiben.

In „Kleine Probleme“ erzählt Nele Pollatschek mit klugem Humor und erstaunlicher Ehrlichkeit von genau diesem Versuch – und vom grandios menschlichen Scheitern daran.

Im Mittelpunkt steht Lars, 49 Jahre alt, selbsternannter Schriftsteller, Familienvater und Meister des Aufschiebens. Zwischen herumliegenden Dingen, unerledigten Aufgaben und endlosen Gedankenschleifen nimmt er sich vor, die letzten Tage des Jahres endlich sinnvoll zu nutzen. Die Voraussetzungen scheinen perfekt: Die Kinder sind weg, die Frau unterwegs, das Haus gehört ihm allein.

Doch statt eines produktiven Neubeginns entsteht ein tragikomischer Kampf gegen die Zeit – und gegen sich selbst.

Aus einer simplen To-do-Liste wird nach und nach eine existenzielle Bestandsaufnahme:

  • Warum fällt es uns so schwer anzufangen?
  • Weshalb schieben wir Dinge auf, die uns wichtig sind?
  • Und wie lange glauben wir eigentlich noch, später würde alles leichter werden?

Pollatschek beschreibt den Alltag ihres Protagonisten mit einer Mischung aus Selbstironie, philosophischem Tiefgang und feinem Beobachtungssinn. Lars ist chaotisch, widersprüchlich und oft absurd komisch – gerade deshalb wirkt er so nahbar. Denn in seinen kleinen Niederlagen steckt viel von dem, was viele Menschen kennen: das Gefühl, nie wirklich hinterherzukommen.

Besonders stark ist dabei die Erkenntnis, dass die „kleinen Probleme“ oft gar nicht klein sind. Hinter unerledigten Aufgaben verbergen sich Zweifel, Ängste, Erwartungen und die Sehnsucht nach einem besseren, ordentlicheren Leben.

Trotz aller Melancholie bleibt der Roman überraschend leicht. Pollatschek gelingt es, das alltägliche Scheitern nicht verurteilend, sondern zutiefst menschlich zu erzählen. Man lacht über Lars – und erkennt sich dabei immer wieder selbst.

„Kleine Probleme“ ist ein kluger, humorvoller und berührender Roman über Prokrastination, Selbstoptimierung und die Kunst, mit dem eigenen Chaos zu leben.

Ein Buch für alle, die schon einmal „morgen“ gesagt haben – und genau wissen, wie schnell daraus „irgendwann“ wird.